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Großer Unternehmensumzug: Vorhandene Werte mitnehmen

14. Okt.
3 Min. Lesezeit

Ein neuer Standort eröffnet neue Möglichkeiten – auch für einen bewussteren Umgang mit Möbeln, Materialien und Budgets. Wer Kreislaufwirtschaft früh in die Umzugsplanung einbindet, kann vorhandene Ausstattung weiterverwenden und eine moderne Arbeitswelt gestalten.


Wenn ein großes Unternehmen umzieht, stehen zunächst Termine, Flächen, IT und die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs im Mittelpunkt. Gleichzeitig werden Entscheidungen über Tausende Einrichtungsgegenstände getroffen: Welche Schreibtische ziehen mit? Welche Stühle werden ersetzt? Was passiert mit Besprechungsmöbeln, Stauraum und Ausstattung, die am neuen Standort scheinbar keinen Platz mehr finden? Genau hier liegt eine Chance. Ein Unternehmensumzug ist ein geeigneter Zeitpunkt, um den vorhandenen Bestand systematisch zu bewerten und seine weitere Nutzung zu planen. Denn ein neuer Standort braucht nicht automatisch eine vollständig neue Einrichtung.


Erst erfassen, dann entscheiden

Ein aktueller Beitrag der Gefma (https://www.gefma.de/hashtag/detail/nachhaltigkeit/kreislaufwirtschaft-messbar-machen) zur Kreislaufwirtschaft im Facility Management beschreibt einen entscheidenden Grundsatz: Wiederverwendung und Aufarbeitung beginnen vor dem Recycling.

Für ein großes Umzugsprojekt bedeutet das: Vor der Neubeschaffung steht eine belastbare Bestandsaufnahme. Neben Stückzahlen und Standorten gehören dazu Maße, Zustand, Funktion und Möglichkeiten zur Anpassung. Erst der Abgleich mit den Anforderungen am neuen Standort zeigt, welche Ausstattung direkt weitergenutzt, aufgearbeitet oder anderweitig eingesetzt werden kann.

Dabei sollten Bestandsaufnahme und Möblierungsplanung ineinandergreifen. Wer zunächst ausschließlich mit neuen Möbeln plant, erschwert die spätere Integration vorhandener Ausstattung. Wer den realen Bestand früh berücksichtigt, schafft konkrete Optionen für seine Weiterverwendung.


Neue Arbeitswelten mit bestehender Ausstattung

Wie weit dieser Ansatz reichen kann, zeigt das von gefma vorgestellte Projekt der niederländischen Versicherungsgesellschaft Nationale-Nederlanden. Bei der Neugestaltung ihrer Bürostandorte in Den Haag und Rotterdam wurden auf nahezu 40.000 Quadratmetern zirkuläre Prinzipien umgesetzt.

Nach Angaben des Beitrags bestand die Möblierung zu 70 Prozent aus wiederverwendeten Bestandsmöbeln, zu 20 Prozent aus Second-Life-Mobiliar und zu 10 Prozent aus neuen, zirkulär produzierten Möbeln. Für das Gesamtprojekt wurden ein Kreislauffähigkeitsgrad von 89 Prozent und eine gegenüber einem konventionellen Referenzprojekt um 70 Prozent reduzierte Umweltwirkung ausgewiesen.

Diese Zahlen beziehen sich auf die beschriebene Büro-Neugestaltung. Sie sind keine pauschale Prognose für Unternehmensumzüge. Das Prinzip lässt sich jedoch übertragen: Vorhandene Ausstattung kann ein wesentlicher Baustein einer neuen Arbeitswelt sein.


Der Zeitplan entscheidet mit

Bei einem Unternehmensumzug reicht es nicht, ein Möbelstück als wiederverwendbar einzustufen. Es muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort einsatzbereit sein.

Ein Schreibtisch, der bis zum letzten Arbeitstag benötigt wird, kann nicht gleichzeitig mehrere Wochen zur Aufarbeitung abgegeben werden. Deshalb gehören Refurbishment, Transport, Zwischenlagerung und Montage in einen gemeinsamen Ablaufplan. Je nach Projekt können eine abschnittsweise Aufarbeitung oder geeignete Übergangslösungen erforderlich sein. Auch die Zuständigkeiten müssen früh geklärt werden: Wer bewertet den Zustand? Wer entscheidet über die Weiterverwendung? Wer übernimmt Reparatur, Qualitätsprüfung und Abnahme? Eine eindeutige Zuordnung im Inventar verbindet diese Entscheidungen mit dem späteren Zielstandort.

So wird aus einer Nachhaltigkeitsidee eine umsetzbare Umzugsplanung.


Wirtschaftlichkeit vollständig betrachten

Aufarbeitung kann gegenüber einer vergleichbaren Neubeschaffung wirtschaftliche Vorteile bieten. Ob das im konkreten Umzug zutrifft, muss anhand der Gesamtkosten bewertet werden.

Dazu zählen neben dem Kaufpreis auch Reparatur, Transport, Lagerung, Montage und mögliche Übergangslösungen. Ebenso relevant sind die verbleibende Nutzungsdauer, Ersatzteilverfügbarkeit und zugesicherte Qualität. Die günstigste Lösung lässt sich deshalb nicht allein aus dem Preis eines neuen Schreibtischs oder eines aufgearbeiteten Stuhls ableiten. Entscheidend ist, welche Variante die Anforderungen über die geplante Nutzung hinweg zuverlässig erfüllt.


Mitarbeitende früh einbeziehen

Weiterverwendung braucht klare Qualitätsmaßstäbe. Ergonomie, Funktion und Gestaltung müssen zur neuen Arbeitswelt passen. Professionell aufgearbeitete Möbel können dabei eine überzeugende Lösung sein.

Die Nutzerkoordination hilft, tatsächliche Anforderungen zu erkennen und Entscheidungen verständlich zu machen. Wenn Mitarbeitende wissen, welche Ausstattung erhalten bleibt, was verbessert wird und warum, wird Kreislaufwirtschaft am neuen Standort konkret erlebbar.


Nachhaltigkeit nachvollziehbar machen

Für die Projektbilanz lohnt es sich, bereits zu Beginn geeignete Kennzahlen festzulegen: Wie viel Ausstattung wird weitergenutzt? Wie viel wird aufgearbeitet? Welche Mengen werden neu beschafft oder einer weiteren Nutzung außerhalb des Unternehmens zugeführt?

Eine Wiederverwendungsquote allein belegt allerdings noch keine bestimmte CO₂-Einsparung. Aussagen zur Umweltwirkung benötigen eine passende Bewertungsmethode und eine nachvollziehbare Vergleichsbasis.


Für AMLprojekt gehört diese Perspektive zu einer vorausschauenden Umzugsplanung: Bestand kennen, Nutzeranforderungen verstehen und Beschaffung sowie Logistik aufeinander abstimmen. So kann ein großer Unternehmensumzug vorhandene Werte erhalten und zugleich Raum für neue Arbeitsweisen schaffen.

Fachliche Grundlage: gefma, „Kreislaufwirtschaft messbar machen – Was Facility Manager aus einem zirkulären Büroprojekt lernen können“, 09.10.2026. Projektkennzahlen gemäß dem bereitgestellten Beitrag. (https://www.gefma.de/hashtag/detail/nachhaltigkeit/kreislaufwirtschaft-messbar-machen)

 
 
 

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